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"Oh nein, nicht schon wieder“, dachte Fräulein Pfefferstielzchen,
als sie den Krach vor ihrem Haus hörte. Sie saß noch eben gemütlich in
ihrem Schaukelstuhl, trank einen Gänseblümchensaft und plante ihre große
Reise.
Heute Abend sollte es losgehen, aber das Geschrei draußen machte ihr Angst,
dass noch etwas dazwischen kommen könnte.
Vor ihrem Pfefferkuchenhäuschen, tief in dem verzauberten Pfefferkuchenwald,
sah sie nämlich ihre sich streitenden Freunde Fiodor und Jolanda.
Fiodor, der Frosch, sprang wütend hinter Jolanda, der kleinen Biene,
her. Bei jedem neuen Sprung drohte ihm, seine rote Zipfelmütze vom Kopf
zu fallen und seine strubbeligen, blonden Locken wehten wild vor seinem
Gesicht herum.
„Ich krieg` dich schon, du dumme Biene“, japste Fiodor. „Du kriegst mich nie!“,
lachte Jolanda vergnügt.
„Du kannst ja noch nicht mal gerade springen. Hi, hi, hi…“. Und in einer steilen
Kurve flog sie um den großen alten Zauberbaum herum.
„Pass auf Fiodor!“, schrie Fräulein Pfefferstielzchen noch warnend aus ihrem Haus,
doch es war zu spät. Fiodor konnte seinen Sprung nicht mehr stoppen und krachte mit
voller Wucht gegen den alten Zauberbaum. „Ha, ha, ha“, lachte Jolanda schadenfroh,
„Ich sag` dir doch, nie kriegst du mich! Niemals!“
„Jetzt ist aber gut Jolanda“, schimpfte Fräulein Pfefferstielzchen.
„Schau was Du angerichtet hast! Fiodor bekommt nun eine große Beule und außerdem
habt ihr den alten Zauberbaum verärgert! Er hat vor lauter Schreck seine Öffnung geschlossen!“
Das war nun wirklich eine große Katastrophe, denn nur durch die Öffnung des alten Zauberbaums
konnte man den Pfefferkuchenwald verlassen und auf Abenteuerreise gehen. Der Zauberbaum war ein ganz
ängstliches Wesen. Der kleinste Streit oder lautes Geschrei erschreckte ihn so sehr, dass er seine
Öffnung schloss und sich erst nach langer Zeit wieder traute diese zu öffnen. „Alles geht heute schief!“,
klagte Fräulein Pfefferstielzchen, die nun den Tränen nah war.
Jolanda war bereits beleidigt weggeflogen und Fräulein Pfefferstielzchen musste sich nun
um den verletzten Fiodor kümmern, dessen Beule immer größer wurde. „Komm mit in Häuschen, Fiodor.
Ich werde Dir eine Butterblumensalbe auf deine Beule schmieren, dann wird alles ganz schnell wieder gut.“
„Oh ja“, jammerte Fiodor und sprang wackelig hinter Fräulein Pfefferstielzchen ins Pfef-
ferkuchenhaus. Immer gab es Streit zwischen Fiodor und Jolanda. Fräulein Pfefferstielzchen
vermutete, dass Fiodor heimlich in Jolanda verliebt sei, was er natürlich nie zugeben würde.
Jolanda hingegen, war leider nur daran interessiert immer hübsch auszusehen und von allen
bewundert zu werden. Ganz besonders stolz war sie auf ihre kleinen roten Schuhe, die sie
dreimal täglich putzte. Ja, ja die gute Jolanda, ein bisschen eingebildet war sie schon.
An dem kleinen Bach, am Rande des Waldes wuchsen hunderte Bommelbeerensträucher. Am
liebsten aß Fiodor die ganz, ganz süßen Beeren die schon dunkelrot leuchteten. Doch diese
taten ihm gar nicht gut, denn sie machten Fiodor immer so schwindelig, dass er meist gar
nicht mehr gerade springen konnte.
„Ach Fiodor“, sagte Fräulein Pfefferstielzchen, nachdem sie seine Beule dick mit Butterblumensalbe
beschmiert hatte. „Ich hab mich so auf unsere Abenteuerreise gefreut. Doch nun hat der Zauberbaum seine Öffnung
verschlossen und wir müssen hier bleiben! Ich bin so traurig.“
In diesem Moment klopfte es an die Tür und Fräulein Pfefferstielzchen’s allerbester Freund,
Pim der Pilz, trat ein. „Hallo Ihr Zwei“ begrüßte Pim seine Freunde gut gelaunt.
„Was ist denn mit dir passiert, Fiodor?“ Fräulein Pfefferstielzchen erzählte Pim die ganze
eschichte und auch, dass aus der Abenteuerreise nichts wurde. Nun wurde auch Pim ganz traurig,
denn auch er hatte vorgehabt mit auf Abenteuerreise zu gehen. So saßen sie alle drei enttäuscht
im Pfefferkuchenhaus und wussten nicht was sie machen sollten.
„Weißt Du was…“, sagte Pim auf einmal zu Fräulein Pfefferstielzchen. „Lass uns doch den alten
Titus fragen was wir machen können, um den Zauberbaum wieder zu öffnen.“ „Oh Pim, das ist eine
gute Idee! Titus weiß doch immer alles!“ Fräulein Pfefferstielzchen war begeistert von dieser Idee.
Die kluge Eule Titus wohnte auch im Zauberwald und war so alt, dass man die Jahre gar nicht mehr
zählen konnte. Titus war sehr, sehr schlau und wenn er nicht gerade schlief, hatte er die besten
Ratschläge.
So machten sich Fräulein Pfefferstielzchen, Pim und Fiodor auf den Weg zu Titus.
Vorbei am kleinen Bach, über die Gänseblümchenwiese und ein Stück durch den Tannenbaumwald führte der Weg zu Titus.
„Titus! Hallo! Bist du hier irgendwo?“, riefen die Freunde. Keine Antwort.
„Vielleicht ist er gar nicht da! Und wir können ihn nicht um Hilfe bitten!“, jammerte Fiodor.
„Lass uns lauter rufen!“, schlug Pim vor. „Tiiitus! Haaallo!“, riefen die Drei nun ganz laut!
„Wer weckt mich denn da?“, ertönte eine Stimme von oben.
„Titus! Da bist du ja!“, rief Fräulein Pfefferstielzchen erleichtert. „Es tut uns leid,
dass wir Dich geweckt haben, aber wir brauchen ganz dringend deine Hilfe!“
Verschlafen schaute Titus auf die drei Freunde hinab. „So, so… Ihr braucht meine Hilfe.
Was für ein Problem habt ihr denn diesmal?“, fragt Titus und gähnte aus vollem Herzen. Fräulein
Pfefferstielzchen erzählte ihm alles - von der geplanten Abenteuerreise, vom Streit zwischen Fiodor
und Jolanda und vom Zauberbaum der nun seine Öffnung geschlossen hatte.
Während Titus gespannt zuhörte zupfte er sich manchmal am grauen Bart und machte ein sehr nachdenkliches
Gesicht. „Nun ja“, sagte er nach langem Überlegen. „Wenn der Zauberbaum einmal seine Öffnung geschlossen
hat, dann kann man ihn nicht überreden sie wieder zu öffnen, das wisst ihr ja. Normalerweise dauert es
eine lange Zeit bis er sich wieder beruhigt hat. Eure Reise müsst ihr vielleicht verschieben.“
Die Freunde ließen nun die Köpfe hängen und waren richtig traurig. Gerade als sie sich auf den Weg nach
Hause machen wollten sagte Titus plötzlich: „Moment! Nicht so schnell! Vielleicht gibt es doch noch eine
Möglichkeit den Zauberbaum zu öffnen.“ „Wie denn, Titus?“, rief Fräulein Pfefferstielzchen. Die Eule
lächelte und sagte: „Gut, ich verrate Euch den Trick wie es funktionieren kann, aber nur unter der
Bedingung, dass ihr mich mit auf Eure Abenteuerreise nehmt!“
Natürlich nahmen die Freunde Titus gerne mit auf ihre Reise. Man konnte ja immer einen klugen Freund gebrauchen.
Titus flog hinab von seinem Baum und machte sich mit den Freunden auf zur großen Pusteblumenwiese. Auf dem
Weg dorthin erzählte er ihnen wie der Trick funktionierte, und was genau der Plan war. Als sie an der Wiese
mit den Millionen Pusteblumen ankamen, sahen sie Jolanda, die gerade dabei war ihre roten Schuhe zu putzen.
Sie war immer noch etwas beleidigt, weil Fräulein Pfefferstielzchen zuvor mit ihr geschimpft hatte, doch als
sie nun all ihre Freunde am Wiesenrand stehen sah, wurde sie doch neugierig und flog zu ihnen hin.
„Was macht ihr denn hier?“, fragte Jolanda zuckersüß.
„Das geht dich gar nichts an, du blöde Biene“, rief Fiodor sofort und betastete seine Beule.
„Ihr streitet jetzt nicht wieder“, rief Fräulein Pfefferstielzchen sofort. „Ihr habt schon genug mit euren Streitereien angerichtet!“
Stattdessen erzählte Fräulein Pfefferstielzchen Jolanda alles über den Plan, um den Zauberbaum zu öffnen, denn nur so konnte die Reise beginnen.
So kam es, dass die Fünf so viele Pusteblumen pflückten wie sie tragen konnten und sich auf den Weg zurück zum Zauberbaum machten.
Dort angekommen schauten alle auf den mächtigen Baum. Er hatte noch immer seine Öffnung verschlossen
und es sah nicht so aus, als ob er sie bald öffnen wolle. Er stand einfach ganz still da. Seine alten,
dicken Wurzeln gingen tief in den Boden hinein und das einzige was sich bewegte waren seine Blätter, die
im Wind grün-golden hin und her wehten.
„So, es ist soweit“, sagte Titus. „Lasst uns beginnen!“ Die Freunde stellten sich im
Kreis um den Zauberbaum und zählten bis Drei. „Eins, Zwei, Drei“ und dann nahmen sie
plötzlich all ihre Pusteblumen, die sie zuvor gesammelt hatten und pusteten diese so
fest wie sie konnten hinauf zum Zauberbaum. Tausende kleiner Pusteblumen-Schirmchen
flogen wild durch die Luft und tanzten lustig um den Zauberbaum herum. Sie flogen nicht
nur in die Äste und an den Blättern vorbei, sondern auch mitten in das alte Baumgesicht
und kitzelten die Baumnase.Und dann plötzlich hörte man „Ha-ha-ha-haaaaaaaatschi!“
Die Pusteblumen hatten den Zauberbaum so sehr gekitzelt, dass er niesen musste und in
diesem Moment seine Öffnung wieder zeigte. „Es ist soweit!“, rief Fräulein Pfefferstielzchen
aufgeregt. „Schnell! Mir nach durch die Öffnung bevor sie wieder geschlossen wird! Lasst
unser Abenteuer beginnen!“ So verschwanden Fräulein Pfefferstielzchen gefolgt vom Titus,
Pim, Fiodor und Jolanda in die Öffnung des Zauberbaums und begaben sich auf eine große Abenteuerreise.
Und welches Abenteuer Fräulein Pfefferstielzchen und ihre Freunde erleben, erfahrt ihr bald in
der nächsten Geschichte…
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